erste urkundliche Erwähnung 1074/1075 in der Schreibweise "Ahorny" (Erklärung: am Ahornbaum)

 

Der Name und das Wappen

Kein Ort im Coburger Land bereitet so wenig Schwierigkeiten, seinen Namen und sein Wappen zu erklären.

Im unteren Teil des Wappens steht das Schloß, mit dessen Geschichte die des Dorfes untrennbar verbunden Ist. Im oberen Teil befindet sich ein großes Ahornblatt. Nach einem markanten Ahornbaum, vielleicht auch nach mehreren, hat der Ort seinen Namen ze dem Ahorn ". „Zum Ahorn" wurde im Volksmund zusammengezogen und so entstand „Marn", die heute noch allseits übliche Bezeichnung der Einheimischen für die schöne Gemeinde an der südwestlichen Stadtgrenze.

Und wenn sich für den Coburger der Horizont dunkel färbt, dann besteht kein Zweifel: Zieht es im „Marner Loch" auf, dann kommt bestimmt ein Wetter!

 

Die Herren

Schloss Ahorn Im Jahre 1975 feierte die Gemeinde Ahorn ihren 900. Geburtstag. Um den Anlaß für dieses Ereignis zu verstehen, ist ein Ausflug in die Geschichte unumgänglich. Zunächst einmal darf auf den allgemeinen geschichtlichen Rückblick verwiesen werden.

Wie dort ausführlich dargestellt, vermachte 1056 Richeza ihre Güter um Saalfeld und Coburg dem Erzstift Köln. Erzbischof Anno II. von Köln verwendete diese zur Gründung und Ausstattung der Benediktiner-Abtei Saalfeld. In einer Urkunde von 1075, in der es um kirchliche Rechte geht, werden diese Güter genannt. Es sind eine Anzahl Orte und Fronhöfe und „die Rodungshöfe in den Wäldern der Burg Ahorny.'

Nach dieser „Geburtsurkunde" von 1075 erscheint um 1100 ein Siboto als Herr der Burg. Er, der auch in Coburg in der Gegend des heutigen Seifartshof (Name!) Besitz hatte, schenkte damals Güter in Ahorn und Scheuerfeld dem Kloster Saalfeld. Dies dürfte der Hintergrund für die Überlieferung sein, Mönche hätten in Ahorn ein Kloster besessen.

Die Burg zu jener Zeit ist nicht mit dem Schloß heute vergleichbar, obwohl sie sicher an dessen Stelle stand. Es war eine befestigte Anlage, zum Berg hin mit Mauern, nach Süden durch Teiche gesichert.

Diese Anlage aber ist undenkbar ohne Dienstleute des Burgherrn und ohne bäuerliche Bevölkerung, die durch ihre Arbeit den Unterhalt der Burgbewohner sicherte.

 

Das Verhältnis des Burgherren und seiner Dienstleute zu den Frondienst (= Herrendienst) leistenden Bauern mag im 10. und 11. Jahrhundert noch ausgewogen, die Abgaben angemessen gewesen sein. Die Bauern zahlten mit Arbeit und Abgaben ihren Zins und genossen dafür den Schutz der Burg. Mit der steigenden Zahl der zu Ernährenden und mit den erweiterten Ansprüchen der Herren wurden die Forderungen aber immer größer. Dies ist in allen Orten zu beobachten, In denen eine Schloßherrschaft die bäuerliche Bevölkerung bedrückte. Hier hegt eine der Ursachen für die Spannungen, die sich dann im Bauernaufstand von 1525 entladen sollten.

Von den ersten Lehensherren auf Ahorn wissen wir wenig. 1306 erscheinen hier die Herren von Hohenstein, die auch die benachbarte Burg besitzen. Erst seit 1435 ist die Reihe der auf Ahorn ansässigen Herrengeschlechter in ununterbrochener Folge zu belegen:

  • 1435-1501 Ritter von Lichtenstein,
  • 1501-1582 Ritter von Rosenau, nach Aussterben dieses Geschlechtes,
  • 1582-1589 Herzog Johann Casimir,
  • 1589-1599 Georg Truchseß von Henneberg,
  • 1599-1639 Ritter von Streitberg,
  • 1639-1649 Herren von Schaumberg,
  • 1649-1701 Herren Muffel von Ermreuth,
  • 1701-1820 Herren von Hendrich,
  • 1820-1843 Familie von Baumbach,
  • 1843-1848 Freiherren von Erffa.
  • 1848 erfolgte die Ablösung aller Rechte des Grundherrn. Die Familie von Erffa ist bis heute Besitzer des Schlosses und des Schloßgutes.

 

 

Der Weg in die Gegenwart 

image00402Foto: H. Güthlein

 

Aus dem Bauernkrieg ist nicht bekannt, dass das Ahorner Schloß heimgesucht wurde. Umso schlimmer wüteten dann die Kroaten des kaiserlichen Obnsten von Schlitz am 9. September 1634. Mehr Opfer noch als die Kriegsgreuel des 30jährigen Krieges forderten Hunger und die überall einhergehenden Seuchen.

Ahorn, ohnehin nicht mit Reichtümern gesegnet, blieb durch zweieinhalb Jahrhunderte ein armes Dorf. Auch verkehrsmäßig lag es nicht günstig. Abseits der großen Nord-Südverbindung führte zwar eine Straße von Coburg ins Grabfeld, aber diese wurde erst anfangs des 19. Jahrhunderts ausgebaut. Der Steinerne Tisch am Ahorner Berg erinnert noch an die ursprüngliche Straßenführung. (Übrigens: Leiter der Bauarbeiten damals 1820 war ein junger Landbauassessor. Bei Verhandlungen mit der Schloßherrenfamilie von Baumbach lernte er deren Tochter kennen und heiratete sie. So wurde Ferdinand Hartmann von Erffa nach dem Tode seiner Schwiegermutter 1843 Herr auf Schloß Ahorn.)

In jener Zeit gab es für die Ahorner nur zwei Verdienstmöglichkeiten:

·                                 1. handwerkliche Betätigung, aber wo kein Verdienst ist, wird auch nicht gekauft;

·                                 2. das Verdingen auf dem Gutshof, das brachte einer Frau für einen Tag Arbeit 2 Groschen.

Viele Menschen, besonders junge kräftige Burschen, wanderten aus und suchten ihr Glück in der Neuen Welt.

Einen Wendepunkt brachte die Zeit nach 1848. Durch die langsam einsetzende Industrialisierung — in Coburg fühlbar erst nach 1870 — wurden Arbeitsplätze geschaffen. Viele Ahorner „gingen in die Stadt auf die Arbeit". Genau im Jahre 1848 brachte aber das Gesetz über die Bauernbefreiung das Ende der grundherrlichen Rechte. Somit wurden nun alle Bauern frei auf eigenem Besitz.

So erhebend sich das anhört, für die Menschen brachte dies zunächst weitaus größere Sorgen und Nöte als vorher, mussten sie doch ihre Solde, ihr Tropfhäuschen (zu dem soviel Grund gehörte, wie die Dachtraufe tropfte!), ihr Ackerchen an den Gutsherren bezahlen, dem immer noch der größte Teil des Landes verblieb. Wie sie es schafften, ihre Schulden abzustottern, wird den Menschen unserer Zeit unbegreiflich bleiben. Immerhin: 1862 wird vermerkt, daß erstmals in diesem Jahr niemand ausgewandert sei.

Auch Verpflichtungen brachte die Freiheit. So waren jetzt eben alle Bürger für „ihre" Gemeinde zuständig. Diese Einsicht war nach jahrhundertelangem Untertanenleben nicht leicht. So sollte nun der Gemeinde die Unterhaltung aller Flurwege auferlegt werden. Daraufhin stellte der Gemeindeausschuß fest: „Wir haben keine Gemeindewege! Der Herr von Erffa behauptet immer, Grund und Boden und sogar die Nutzung der Wegeränder wären sein. Das Amt sollte aber so gütig sein und uns die Wege zumarken lassen, dann wollen wir nach Kräften tun, was uns zusteht."

Langsam aber spürbar ging es nach der Jahrhundertwende aufwärts. Hier und da stellte sich bescheidener Wohlstand ein und schlug sich auch im Leben der Gemeinde nieder. An der Stelle der alten Tropfhäuschen entstanden geräumigere Bauten, in denen sich allerdings immer noch Wohnteil und Stall unter einem Dach befanden.

Der l. Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Dennoch wurde die neue Straße vom Schützenhaus entlang des Molkenrasens, deren Bau schon vor dem Kriege begonnen worden war, durch kriegsgefangene Franzosen und Engländer fertig gestellt.

Der Steinerne Tisch an der alten Straße bekam somit ebenso Erinnerungswert wie die Petroleumlampen, denn 1920 zog die Elektrizität in die Häuser ein. Das war zwar ein Schritt in das technisierte Leben, mit dem durch die Weimarer Verfassung garantierten demokratischen Leben wussten die Ahorner aber nicht allzu viel anzufangen. Bis 1919 hatten nach dem Dreiklassenwahlrecht der Gutsherr vereint mit Pfarrer und Lehrer mehr Stimmen als die gesamte übrige Bevölkerung. Wie konnte das nun anders sein? Inflation und Arbeitslosigkeit brachten wieder Not und Armut. 1927 und 1934 wurde der Bau einer Wasserleitung nicht genehmigt, weil die Finanzierung nicht gesichert war. Wie es mit den bürgerlichen Freiheiten von 1933-1945 bestellt war, ist allseits bekannt.

Die Großgemeinde heute

Der Aufstieg des Dorfes Ahorn zur Großgemeinde begann nach dem 2. Weltkrieg. Zunächst einmal sah es ganz und gar nicht danach aus, denn große Probleme erwuchsen der Gemeinde durch die Vielzahl der Evakuierten, Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die alle untergebracht sein wollten. 1950, als die Notquartiere schon längst aufgehoben waren, lebten im Ort bei insgesamt 1218 Einwohnern in 115 Häusern 252 Flüchtlinge. Sie und ihre Nachkommen sind inzwischen längst in das Leben der Gemeinde hineingewachsen.

1971/72 erfolgte die Eingemeindung einer Reihe von Orten (s. Übersicht), so dass die Großgemeinde heute (1983) rd. 4300 Einwohner zählt. Viele Aufgaben wurden angepackt und gelöst, Die große Umgehungsstraße der B 303 entlastet die Ortsdurchfahrt. Im Ortsteil Witzmannsberg entstand eine schöne Freizeitanlage.

Ahorn lockt durch seine Wohnlage auch viele Bauwillige an. Dabei kommt niemand der Gedanke, wenn er durch die schmucken Häuserreihen geht, dass hier noch vor wenigen Jahren Acker und Wiesen waren oder daß vor 150 Jahren in Sölden und Tropfhäusern unfreie Bauern lebten.

Quelle: Walter Schneider: Das Coburger Land; Herausgeber: Landkreis Coburg; 2. Auflage 1990

 

 

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